Was bedeutet eigentlich cis-Mann? Und warum brauchen wir diese Bezeichnung?

Eine Erklärung zum Begriff cis-Geschlechtlichkeit, der Unsichtbarkeit der „Norm“, ein Ausflug zu Rassismus und „linker“ sowie „rechter“ Gesinnung

Seit dem Aufruf zum Support des 8. März Streik an cis-Männer in Hamburg, werde ich andauernd gefragt: Was bedeutet denn jetzt schon wieder cis-Mann? Wofür brauchen wir diese ganzen Bezeichnungen? Wieso müssen wir alles immer benennen? Ein Mensch bleibt ein Mensch und mir ist es relativ egal, als was er oder sie sich selbst sieht, solange er oder sie nicht der Allgemeinheit schadet! Ich (als weißer, heterosexueller cis-Mann) hatte auch anfangs Probleme zu verstehen. Daher will ich in diesem Text noch einmal etwas weiter ausholen, versuchen einige Parallelen zu Rassismus zu ziehen und den Widerstand, den insbesondere Linke bezüglich dem Thema haben, diskutieren. Mit einigen Formulierungen in diesem Text habe ich gewisse Bauchschmerzen, daher gibt es eine INHALTSWARNUNG: Wiedergabe von transfeindlichen Formulierung und Rassismus!

„Es ist eben nicht so, dass sich jeder Mensch zu jeder Zeit alle Rechte und Räume nehmen kann ohne unterschiedlich unterstützt oder sanktioniert zu werden.“

Es ist egal wie er*sie sich selbst nennt, identifiziert, welche Orientierung, Hautfarbe die Person hat usw. Das wäre auch für mich die optimale Welt. Leider leben wir nicht in dieser Welt! Hier ein schönes Zitat aus einer Facebookdiskussion, welches es ziemlich genau auf den Punkt bringt:

„Wie ich/mein Körper in einer hegemonial geprägten Gesellschaft gelesen werde, kann ich nur bedingt beeinflussen – biologisches Geschlecht, Sexualität, Hautfarbe, soziales Milieu/Klasse abgelesen an Kleidung, verbaler bzw. Körpersprache und am Verhalten – all dies und noch mehr beeinflusst die Zuschreibungen, Abwertungen oder Privilegien. Es ist eben nicht so, dass sich jeder Mensch zu jeder Zeit alle Rechte und Räume nehmen kann ohne unterschiedlich unterstützt oder sanktioniert zu werden.“

Schlaue Person auf Facebook
Warum dieser Widerstand von sich als „links“ identifizierenden Personen, wenn ich das Wort cis-Mann benutze?

Aber erstmal die Frage, was ist eigentlich „links“? Meine liebste Erklärung zu der Frage, was ist denn eigentlich politisch „links“ oder „rechts“, ist folgende: Eine linke Gesinnung geht davon aus, dass die Solidarität zwischen Menschen universell ist. Alle Menschen haben diese Solidarität verdient! Eine rechte Gesinnung macht da Einschränkungen bzgl. wer Solidarität verdient hat. Z.B. wäre ich dann nur solidarisch mit Biodeutschen, weißen Menschen, „echten“ Männern und/oder „ordentlichen“ Frauen. Natürlich kann „links“ oder „rechts“ auch anders definiert werden. Aber steigen wir mal mit dieser Definition ein.

Als Linker gehört mensch nicht automatisch zu „den Guten “!

Für linke Menschen scheint es z.T. schwierig zu sein, Ansätze wie kritisches weißsein oder meinen Aufruf an cis-Männer zu verstehen. Warum muss ich jetzt auch noch das Wort cis-Mann benutzen? Warum macht es Sinn manchmal über weiße Personen zu reden, also weißsein zu thematisieren? Es wäre doch viel schöner wenn wir alle gleich wären und solche Unterschiede nicht benennen müssen! Wie gesagt: Ja wäre es!

Es ist aber schon eine sehr privilegierte Position aus der solche Statements meistens kommen. Denn es ist ein Privileg von weißen Menschen sich nicht mit Rassismus beschäftigen zu müssen. Und es ist ein Privileg von (heterosexuellen cis-)Männern sich nicht mit Sexismus beschäftigen beschäftigen zu müssen. Warum? Erstmal sind diese Muster der Unterdrückungen und Privilegien für privilegierte Menschen nicht so leicht durchschaubar.

Privilege is when you think something is not a problem because it’s not a problem to you personally.
(Übersetzt: Ein Privileg ist wenn Du glaubst etwas ist kein Problem, weil es kein Problem für Dich persönlich ist!)

Irgendwo im Internet
Ich kann zwar so tun, als hätte strukturelle Diskriminierung nichts mit mir zu tun. Das ändert aber nichts an diesen Strukturen, meinen internalisierten Sexismen und Rassismen sowie Privilegien!

Viele weiße, linke Männer wachsen mit dem Selbstverständnis auf, dass sie zu „den Guten“ gehören und (angeblich) alle Menschen gleich behandeln. Ich glaube (und damit bin ich nicht alleine) das stimmt leider nicht. Beispielsweise objektifiziere ich in Gedanken „attraktive“ Frauen. Diese behandel ich anders als einen Mann oder eine Frau, die ich für „unattraktiv“ halte. Ich begrüße diese Menschen unterschiedlich (Küsschen, innige Umarmung, distanziertere Umarmung, Handschlag). Da komme ich nicht so einfach raus, auch wenn ich es will. Eventuell frage ich sie nach ihrer Telefonnummer (und zwar weil ich sie als „attraktiv“ objektifiziere). Oder ich reagiere unterschiedlich, wenn ich von ihr angesprochen werde. Und der Rattenschwanz an mehr oder weniger bewussten Zuweisungen und Annahmen, die ich gegenüber dieser Person mache ist noch viel größer. Selbst die Frage ob ich sie für „attraktive“ halte, ist vermutlich hauptsächlich kulturell bedingt.

Genauso interessiert es mich unter Umständen, wo denn eine Schwarze Person herkommt, was sie für eine Migrationsgeschichte haben könnte usw. Damit schließe ich von der Hautfarbe auf die Herkunft einer Person und reibe ihr genau das unter die Nase, was sie sowieso andauernd hören muss, nämlich: Du gehörst nicht (wirklich) dazu. Das und viele ähnlich Gedanken passieren, da wir in einem sexistischen und rassistischen System leben, sozialisiert wurden und uns z.B. in Medien, Gesprächen, Lehrplänen usw. viele Aspekte dieses sexistischen und rassistischen System eingehämmert wurden, bis wir sie gar nicht mehr hinterfragen.

Auch ich habe meine internalisierten Rassismen und Sexismen! Wir müssen lernen diese zu sehen, damit wir sie abbauen können!

Selbst wenn Du jetzt denkst, dass das auf Dich nicht zutrifft (und ich wage das jetzt einfach mal zu bestreiten), dann denken das so gut wie alle Menschen, die dieser Schwarzen oder weiblichen (oder beides) Person sonst so begegnen. Diese Person wird im Schulsystem diskriminiert, bei der Jobsuche, Bezahlung, Wohnungssuche usw. Ich kann jetzt natürlich behaupten, das hat alles nichts mit mir zu tun.

Jedoch gewisse Privilegien, die ich unter Umständen gar nicht bemerke, arbeiten für mich. weiße cis-Männer bekommen den Job, die bessere Entlohnung, die Wohnung, ihnen wird mehr zugehört, ein dominantes Verhalten beigebracht, sie gehe mit einem Selbstverständnis in Räume, dass ihre Meinung wichtig ist und sie werde dafür nicht sanktioniert. Umgekehrt nehme ich damit anderen Menschen diese Räume, Jobs und Wohnungen weg, ob ich das will oder nicht. Die Frage ob ich diskriminiere hat nichts mit Absicht zu tun. Oder um nochmal das Zitat von oben zu bemühen:

„Wie ich/mein Körper in einer hegemonial geprägten Gesellschaft gelesen werde, kann ich nur bedingt beeinflussen – biologisches Geschlecht, Sexualität, Hautfarbe, soziales Milieu/Klasse abgelesen an Kleidung, verbaler bzw. Körpersprache und am Verhalten – all dies und noch mehr beeinflusst die Zuschreibungen, Abwertungen oder Privilegien. Es ist eben nicht so, dass sich jeder Mensch zu jeder Zeit alle Rechte und Räume nehmen kann ohne unterschiedlich unterstützt oder sanktioniert zu werden.“

Schlaue Person auf Facebook
Die Erkenntnis, dass auch ich ein Sexist und Rassist bin, ist nicht schön. Aber sie hilft auch!

Diese Erkenntnis ist ziemlich anstrengend. Insbesondere für linke, weiße Männer (aber im Kontext von Rassismus auch für linke, weiße Frauen). Schließlich sind wir es gewohnt uns als „die Guten“ zu betrachten. Und zu erkennen, dass ich diese „systemische Arschlochposition“ also die Position des Aggressors habe, ist nicht leicht. Die Abwehr diese Position anzuerkennen ist enorm. Einfacher ist es auf jeden Fall solche Aspekte als Nonsens abzutun, gegen Nazis (also andere) zu sein und sich nicht mit eigenen Sexismen und Rassismen auseinander zu setzten.

Dabei kommen auch meine Aussage hier („nicht schön“, „anstregend“ usw.) aus einer ziemlich komfortablen Position. Wie People of Colour das erleben, drüber möchte ich hier keine Stellung beziehen, denn es gibt ausreichend von ihnen, die selbst darüber schreiben. Hier zum Beispiel ein sehr gelungener Ausschnitt von Fatma Aydemir aus dem Buch „Eure Heimat ist unser Albtarum“. Als Einsteiger*innenlektüre kann ich sonst auch „Deutschland Schwarz weiß: Der alltägliche Rassismus“ von Noah Sow empfehlen.

weißsein und internalisierter Rassismus

Ich habe viel Sensibilisierung im Kontext von Critical Whitness Inputs (oder auch Anti-Rassismus Trainings) bekommen. Ein großartiger Anbieter für solche Trainings, ist der Phoenix e.V., ein Verein gegründet von People of Colour. Und ich kann jedem weißen Menschen empfehlen so ein Input zu machen! (Für People of Colour werden Empowerment-Trainings angeboten.) Eine derartige Sensibilisierung ist ein Prozess. Einmal angestoßen warten da Erkenntnisse über sich selbst und die Gesellschaft, die nicht mehr verschwinden.

Das gute ist aber auch, dass ich seitdem mit Vorwürfen bezüglich meiner Sexismen und Rassismen wesentlich besser umgehen kann. Diese versuche ich ernst zu nehmen, kann ich aber eher als systemisches Problem, denn als persönlichen Angriff verstehen. Ich kann sie besser erkennen, ganz anders damit arbeiten, Anerkennung für die Position Gegenüber geben, mich entschuldigen und versuchen Diskriminierung abzubauen. Dafür muss ich an mir arbeiten und wahrgenommene Selbstverständlichkeiten hinterfragen.

Die weißen Menschen, die so ein Anti-Rassismus Training machen, wollen meistens was über Anti-Rassismus lernen. Es geht aber eher um die Frage, was denn eigentlich „weiß“ bedeutet, kritisches weißsein eben. Warum? Wir reden nicht über weißsein. Im wesentlichen reden wir lieber über die „Anderen“. Und damit konstruieren wir weißsein (und die damit verbundene Aufwertung) über das Schwarzsein (und die damit verbundene Abwertung). Eine Analyse von Kinderbüchern und wie Schwarze Menschen (und auch Frauen und Mädchen) darin gezeigt werden, hat mir die Augen diesbezüglich geöffnet. Diese Sexismen und Rassismen sind schon von kleinen Kindern erlernt.

Schon kleine Kinder erlernen Rassismus

Schaut Euch mal kurz diese 3-Minuten Video (auf englisch) an. Schwarze Kinder werden gefragt welches die schönere oder nettere Puppe ist, die Schwarze Puppe oder die weiße Puppe? Bei derartigen Tests wählen signifikant mehr (Schwarze und weiße) Kinder die weiße Puppe. Auf die Frage warum, kommt z.T. die Antwort: „Weil sie weiß ist.“ So wirkmächtig sind diese Vorstellungen in unserer Gesellschaft. Auch die Grafik unten macht deutlich, dass derartige Zusammenhänge heute untersucht sind. Bereits mit 30 Monaten hat „race“ einen Einfluss auf die Auswahl von Spielpartner*innen. Und mit 4 und 5 Jahren sind rassistische Vorurteile internalisiert.

Mit freundlicher Genehmigung von „The Childrean’s Community School“ (siehe unten)

Antifeministen tendieren dazu die Methodik der Kultur- und Sozialwissenschaften abzulehnen und damit die Leistungen, der meist Schwarzen Wissenschaftler*innen, abzuwerten. Diese antifeminstischen Angriffe müssen als Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft an und für sich gewertet werden.

Die Unsichtbarkeit der „Norm“

Rassismen und auch Sexismen, (Trans-)Misogynie (Frauen- und Transfeindlichkeit), Homophobie und Geschlechterrollen werden schon im Kindesalter eingeübt. Dieser Prozess ist vor der Einschulung bereits weitestgehend abgeschlossen. Gender Studies gehen davon aus, dass Sprach die (wahrgenommene) Realität formt. Daher ist es so wichtig, dass wir Begriffe haben um die „Norm“ zu beschreiben und damit begreifbar zu machen. Wenn wir nicht in der Lage sind über weiße Menschen oder cis-Männer zu reden, sind wir auch nicht in der Lage die Systematik in ihrem Verhalten zu sehen. Stattdessen reden wir lieber über „die Anderen“, für die wir (häufig abwertende) Begriffe haben. Wie in der Infografik zu lesen ist: Nicht über „race“ zu reden verstärkt Rassismus. Auch Geschlechterrollen werden von Kind an eintrainiert.

Zurück zu cis-Geschlechtlichkeit und cis-Männern

Die unsichtbare „Norm“ im Geschlechtssystem ist der cis-Mann. Also Männer, deren Geschlecht mit dem übereinstimmt, das nach der Geburt in die Geburtsurkunde eingetragen wurde. Ich selbst verwende den Begriff cis-Mann hier nur sparsam, da viele cis-Männer ihn nicht verstehen und er eine extreme Abwehr auslöst. Hier nochmal eine explizite Inhaltswarnung bezüglich der Wiedergabe von transfeindlichen Aussagen! Wer das nicht lesen will möge bitte die nächsten Absätze überspringen bis zu der Überschrift „Das Thema nervt Dich?“.

Gendertheorie geht davon aus, und ich unterstütze das ausdrücklich, dass Geschlecht konstruiert ist und ein Transmann ein Mann ist. Transmännern wird permanent unterstellt, dass sie keine Männer sind. Diese Aberkennung der Geschlechtsidentität dieser Personen ist ein Akt der Gewalt (genau wie Frauen zu objektifizieren und People of Colour (PoC) anzudeuten sie kommen nicht (wirklich) von hier / gehören nicht dazu).

Um bei dem Bergriff „Norm“ zu bleiben: Mir wurde geraten, jemanden zu zitieren, der z.B. die Frage stellt: „Wie nennen ich denn (in Abgrenzung zu Transmännern) einen „normalen“ Mann?“ Genau diese Frage stellt aber niemand, da diese „Norm“, also der cis-Mann, unsichtbar ist. Daher brauchen wir dieses Wort. Andernfalls können wir nur über die „Abweichung der Norm“ also z.B. den Transmann (oder im Kontext von Rasissmus die PoC) reden. Um die privilegierte Position überhaupt begreifbar zu machen, brauchen wir Begriffe für sie.

Genauso habe ich mir noch nie Gedanken dazu gemacht, wie ich Personen nenne, die keine intersexuellen Körper haben. Falls Du Dich das jetzt fragst (denn genau über diesen Begriff bin ich vor kurzem gestolpert): Diese werden als endosexuelle Körper bezeichnet.

Jetzt nochmals etwas komplizierter und für Fortgeschrittene:

Als ich diesen Text zur Konstruktion von Männlichkeit geschrieben habe (und es ist ein lesenswerter Text, der auch klar machen sollte, warum der Begriff cis-Mann wichtig ist – überlegt Euch mal, wie ich das alles hätte beschreiben sollen, ohne das Wort cis-Mann), habe ich einen Hinweis von einer Transperson darauf bekommen, dass der Text zwar gut sei, die Person ihn aber nicht weiterempfehlen würde, wegen einer von mir verwendeten Formulierung:

„Transmänner, also Männern, die im Körper einer Frau geboren wurden. (Zur Vermeidung von Unklarheiten: Ein cis-Mann ist ein Mann geboren im Körper eines Mannes.)“

Konstruktion einer eigenen Version von Männlichkeit?

Problematisch an der Formulierung, ist dass die Aussage impliziert der Mann hätte einen „weiblichen Körper“. Einige Transmänner, die also mit als weiblich gelesenen Körpern geboren wurden, nach der Geburt weiblich eingetragen wurden, sich jetzt aber als männlich identifizieren, haben mit dieser Formulierung ein Problem. Denn diese Personen betrachten sich als männlich und haben damit auch einen „männlichen Körper“, selbst wenn dieser unter Umständen weiblich gelesen wird (und/oder eine Vulva hat). Daher habe ich mich mit der Person auf diese Formulierung geeinigt:

„Transmänner, also Männern, die mit als „weiblich“ gelesenen Körpern geboren wurden (also mit z.B. Vulva und Klitoris) und bei der Geburt „weiblich“ eingetragen wurde. (Zur Vermeidung von Unklarheiten: Ein cis-Mann ist eine Person, die mit als „männlich“ gelesenen Geschlechtsmerkmalen (also z.B. Penis und Hoden) geboren wurde und die sich selbst als Mann bezeichnet.)“

Konstruktion einer eigenen Version von Männlichkeit?
Das Thema nervt Dich? Frag mal eine Transperson wie genervt die ist, sich immer wieder zu erklären!

Kompliziert? Offensichtlich auch für mich. Auch mir unterlaufen da Fehler. Natürlich kann ich auch (aus meiner cis-männlichen Position heraus) sagen: „Ist doch egal! Warum stellen die sich denn so an? Muss das jetzt auch noch sein? Langsam nervt es doch“. Transmänner und viele andere Nervt diese ganze Sprache aber auch. Und zwar vermutlich noch viel mehr als Dich!

Es ist aber eben auch ein Privileg der „Norm“ (also z.B. von weißen, heterosexuellen cis-Männern), nicht thematisiert und andauernd kommentiert zu werden. Deswegen ist es auch problematisch, wenn ich PoC gleich frage „wo sie herkommen“, Genderqueere Menschen ob sie schwul sind, Transmänner Fragen bezüglich ihrer Genitalien stelle oder Frauen ungewollte und objektifizierende Komplimente mache. Diese Fragen zu Identität und Orientierung muss die „Norm“ in den seltensten Fällen hören. Bezogen auf die Frage „wo kommst du her“, wird die Antwort „Aus Hamburg“ bei weißen Menschen einfach akzeptiert, während bei People of Colour (zu) häufig gefragt wird: „Aber wo kommst Du wirklich her“.

Beispiel Hetero- und Homosexualität

Vielleicht noch ein allerletztes Beispiel zum Wort „Heterosexuell“. Wenn es dieses Wort nicht gäbe, sondern nur das Wort „Homosexuell“, müsste ich über „normalen“ Sex und homosexuellen Sex reden. Aber ich denke auch homosexueller Sex ist normaler Sex, wobei die meisen Menschen eh eine eigenartig verengte Vorstellung von Sex haben. Daher brauchen wir Wörter, die auch die Norm beschreibbar machen. Diese Begriffe brauchen wir um uns über Diskriminierung klar zu werden, sie begreifbar zu machen. Dafür müssen wir auch die Norm bennen können, ansonsten reden wir immer nur über die „Anderen“ und das „Abweichungen“.

Was ich noch klar erwähnen möchte: Homo- oder Heterosexualität bezeichnet sexuelle Orientierungen. Cis- oder Trans-Geschlechtlichkeiten bezeichnen Geschlechtsidentitäten. Beides hat erstmal nichts miteinander zu tun! So kann ein Mensch offensichtlich ein hetero- oder homosexueller cis-Mann sein, oder ein (als Mann gelesener) Non-Binary oder eine Transfrau und dennoch auf Weiblichkeit stehen.

Und zurück zu den Linken und Solidarität mit FLINT*

Feministische Anliegen, FLINT* und auch homosexuelle cis-Männer müssten eigentlich wesentlich mehr Solidarität von linke cis-Männer erfahren. Zumindest, wenn ich davon ausgehe, dass die Solidarität von Linken für alle Menschen da ist. Insbesondere von sich als links identifizierenden cis-Männern (und Teilweise auch cis-Frauen) bekomme ich aber sehr viel Widerstand, selbst wenn ich nur das Wort cis-Mann (oder auch Feminismus) benutze. Die aufgeführten Argumente sind meist wesentlich schwieriger zu wiederlegen, als die von offenen anti-feministischen und maskulinistischen Social Media Trollen. Dazu noch drei Abschließende Bemerkungen:

Die fehlende Solidarität linker Männer ist sehr auffällig

Erstens ist die fehlende Solidarität von sich als links verorteten Männern mehr als auffällig. Es darf in diesem Kontext nicht vergessen werden, wie aggressiv Antifeministen im Internet und im realen Leben gegen Feministin*nen und FLINT* vorgeht. Physische Übergriffe, Mord- und Vergewaltigungsdrohungen sind da nur der Gipfel. Die ganzen relativierenden und verharmlosenden (und damit antifeministischen) Aussagen von „muss das jetzt schon wieder sein“ bis zu „Männer werden aber auch diskriminiert“ sind alleine schon in ihrer Masse und Systematik ein ganz entscheidender Grund, warum die Debatte nicht wirklich voran geht. Kurz: Solidarität ist dringend erforderlich. Linke Männer widersprechen derartigen Aussagen meistens nicht, sondern tun so, als ob das nichts mit ihnen zu tun hätte (wenn sie sie nicht unterstützen). Antifeministische Aussagen sind akzeptierter Teil des Diskurses unter (linken) Männern:

“ In der deutschen „Männerbewegung“ (wenn man von einer solchen überhaupt sprechen will) existieren progressive und rückwärts gewandte Strömungen von jeher nebeneinander. Auseinandersetzungen unter Männern über Profeminismus und Antifeminismus, über traditionelle und moderne Selbstverständnisse hat es seit den 1970er Jahren immer wieder gegeben. Ein einheitlicher Kurs war und ist nicht erkennbar.“

Geschlechterkampf von rechts: Wie Männerrechtler und Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus radikalisieren (Friedrich-Ebert-Stiftung)
Gleichzeitig gibt es massive Anfeindungen von Rechten

Zweitens ist Antifeminismus ein verbindendes Element zwischen (rechten) religösen, (national-) konservativen, rechtsradikalen Gruppierungen, Incels, Männerrechtlern, Maskulinisten, sogenannten Lebensschützern und wer sich noch so auf der „Demo für Alle“ oder dem „World Congress of Families“ tummelt. Sich gegen diese Gruppierungen zu stellen bedeutet sich für den Feminismus, also die Gleichstellung aller Menschen, stark zu machen! Dieses Zitat macht die maskulinistische Position auf der einen Seite und die indifferente links-liberale Position auf der anderen nochmal deutlich:

Die “maskulistische” skandalisiert den Mangel an Männlichkeit, der durch “schreckliche” gesellschaftliche Entwicklungen (Abbau männlicher Privilegien, jeder Feminismus, die “Verweiblichung der Kultur”) entstehe, und will Männer stärken. Männliche Gewalt erscheint hier als vielleicht fehlgeleitete, aber berechtigte “Notwehr” oder “Hilferuf” der zu unrecht Beschränkten und Verurteilten. Die “links-liberale” Ableitung erscheint um einiges fortschrittlicher: Sie verzeiht die Gewalt nicht vorschnell und kritisiert die Männlichkeitsideale, zu denen Männer sich verhalten müssen. Sie schließt daraus jedoch lediglich, dass es dann eben ein anderes, “besseres” Männlichkeitsideal bräuchte und keine Kritik ums Ganze.

Male Detox – Toxische Männlichkeit und Männer zwischen Reform und Revolution
Ausschluss und Nichtbeschäftigung ist keine Lösung

Oder drittens wie gerade bei einer feministischen Veranstaltung eine Vortragende treffend formuliert hat: Aus Ihrer Sicht kommt die Linke bezüglich Sexismus und Feminismus nicht weiter. Auf der einen Seite gibt es den Ausschluss von cis-Männern und auf der anderen Seite wird das Thema einfach totgeschwiegen und abgewehrt (nicht-Beschäftigung). Dieser Blog fußt auf der Überzeugung, dass sich die privilegierten cis-Männer jetzt auf FLINT* zubewegen müssen. Daher auch der Aufruf an cis-Männer den 8. März Streik mit Reproarbeiten zu unterstützen.

Eine kleine Übung zum Thema Homophobie

Vielleicht noch eine kleine Übung für cis-Männer: Hinterfrage mal Deine Homophobie. Und zwar nicht verstanden als „ich habe etwas gegen Schwule“, sondern als „ich habe ein Problem damit, wenn andere Menschen denken ich könnte schwul sein“ (vgl. Jack Urwins „Boys Don’t Cry: Identität, Gefühl und Männlichkeit“).

Vielleicht noch vier Texte zum Thema Feminismus, die sich speziell an linke Menschen richten:

Bild oben: WikimediaCommons, Autor: Fortepan, Lizens: CC BY-SA 3.0, vermutlich (?) lauter cis-Männer.
Schaubild zu „They’re not too young to takl about Race!„, mit freundlicher Genehmigung von „the Children’s Community School„.


Die fünf neusten Beiträge:


Dies ist ein pro-feministischer Blog, der sich mit Themen der Männlichkeit und darüber hinaus auseinandersetzt. Wenn Du zum ersten mal hier bist, lohnen sich vielleicht diese zwei Texte: Was ist kritische Männlichkeit? und Herangehensweise an kritische Männlichkeit.

6 Kommentare zu “Was bedeutet eigentlich cis-Mann? Und warum brauchen wir diese Bezeichnung?”

  1. hallo und thx für den schönen Text.
    eine Frage ist mir oben in den Sinn gekommen. du schreibst, es sei eine Objektifizierung, wenn ich mich einer „attraktiven“ Frau anders gegenüber verhalte als einer, die ich nicht attraktiv finde.
    das verstehe ich nicht ganz, glaube ich. ich verhalte mich sehr vielen Personen anders gegenüber, unterschiedlich z.B. wie gut ich sie kenne, wie sympathisch ich sie finde bzw. sie mich, in welchem Kontext ich sie treffe usw.
    jetzt würde ich deinen Punkt gar nicht bestreiten. wenn ich einen Menschen attraktiv finde, verhalte ich mich anders, z.B flirte ich vllt, was ich ansonsten nicht tun würde. so scheint das mit dem Begehren zu sein.
    aber ist das so anders, wenn ein Mann einen Mann „attraktiv“ findet, eine Frau eine Frau, ein NB einen Mann, oder welche Konstellation auch immer?

    1. Hey Torben und danke für die Rückmeldung. Zu Objektifizierung (war vielleicht nicht das beste Beispiel an der Stelle), werde ich vermutlich in kürze noch was schreiben. Auch an der stelle denke ich, dass die Machtstruktur eine entscheidende Rolle spielt (die es so nicht gibt, wenn ein Mann einen anderen objektifiziert). Es geht auch nicht nur ums „attraktiv“ finden, was natürlich nicht per se problematisch ist. Vielmehr spielt Attraktivität beim „schönen Geschlecht“ eine andere Rolle als beim „starken Geschlecht“. Einen Text, der das ganze Thema Objektifizierung nochmal in einen anderen Kontext stellt und durchaus lesenswert ist, findest Du hier:

      https://bildblog.de/63047/maenner-die-macher-frauen-die-objekte-ueber-sexismus-in-bild/

      Ich hoffe ich konnte etwas weiterhelfen?

  2. Hallo lieber Janosch,
    ersteinmal danke für diesen sehr einfühlsamen, ruhig fomulierten und nachvollziehbaren Text. Dem meisten kann ich beipflichten und es hat auch einige Unklarheiten meinerseits beseitigen können.
    Dennoch stoße ich bei diesem Thema immer wieder auf folgende Schranken in meinem Kopf:
    Erstens ist mir oft nich klar, wann nun vom biologischen und wann vom sozialen Geschlecht gesprochen wird. Z.B. an der Stelle deines Textes, an dem eine Transmann trotz Vulva einen männlichen Körper hat. Werden an dort nich zwei unterschiediche Kategorien vermischt? Bzw. ist dieser Körper sozial oder biologisch männlich?
    Zweitens, und das ist mein eigentliches „Problem“, sehe ich mich durch diese und ähnliche Diskussionen, in denen geschlechts-/identitätsspezifische „Schubladen“ aufgemacht werden, oft genötigt, mich zu identifizieren. Mit den gängigen Ideen meiner „vorherbestimmten“ Rolle als Mensch mit XY-Chromosom kann ich nichts anfangen.Ich habe zwar einen Penis, Bartwuchs und bin bisher nur an (Cis?)Frauen sexuell und romantisch interessiert gewesen.Dennoch ist das ja nur ein Bruchteil von A) den Dingen, die vor allem gesellschaftlich mit Männern/Männlichkeit verknüpft werden und B) den Eigenschaften, die mich als Person ausmachen. Dennoch werde ich durch die Erfüllung dieser (für mich) Nichtigkeiten z.T. als potentieller Unterdrücker ausgegrenzt. Ich möchte damit ausdrücklich nicht das „aBeR MäNnEr wErDeN auch diskrimimimiert!11!!1!“-Faß aufmachen, dennoch ist mir besagte Ausgrenzung im Alltag schon mehrfach begegnet und das tat tatsächlich ein wenig weh.
    Nun hast du ja richtig in deinem Text bemerkt, dass diese Identifizierung zu einem großen Teil meinen Mitmenschen obliegt und so natürlich Gesellschaftsstrukturen reproduziert werden. Nun sind doch aber auch alle Mitglieder der LGBTQ+ Community meine Mitmenschen, welche mich unter Umständen (ziemlich sicher) in die Cis-Mann „Schublade“ stecken würden – damit festigen/reproduzieren Sie doch aber ebenso diese alten Ideen von Geschlecht und Identität, oder täusche ich mich da?
    Oder nochmal das Ganze etwas plautziger/plakativer:
    Wollen wir nun Geschlechtsnormen überwinden oder nur mehr Subkategorien, denen man sich auch zu unterwerfen hat, eröffnen?
    Ich freue mich auf eine Antwort/rege Diskussion und hoffe wirklich, Niemandem mit einer Formulierung oder Idee zu nahe getreten zu sein.

    1. Vielen Dank für deine Fragen! Am Ende bin ich kein Genderwissenschaftler und sicherlich nicht am besten geeignet den Unterschied zwischen „biologischem“ und sozialen Geschlecht zu erklären. Auch gerade bezogen auf den Spezialfall, den du da nennst. Da wir aber gelernt haben Geschlecht als etwas „biologisches“ zu betrachten, fahre ich ganz gut damit Gedankengang bzgl. Biologie erstmal komplett aus meinem Kopf zu streichen. Denn das Konstrukt „biologisches“ Geschlecht ist sowieso von mir verinnerlicht und hilft meistens nicht weiter. Trans* Menschen reden meistens vom zugewiesenen Geschlecht. Wenn ich akzeptiere, dass trans Frauen Frauen sind, dann ist auch ihr Körper der Körper einer Frau (selbst wenn er als männlich gelesen wird). Damit hat sie dann unter Umständen einen weiblichen Penis. Weiter sollte mich ihre Genitalien nicht unbedingt interessieren, es sei denn, sie will diese Information mit mir teilen.

      Mir hilft es z.T. auch noch andere Aspekte von Geschlecht mitzudenken. Da gibt es das (z.B. bei der Geburt / im Pass) zugewiesene Geschlecht, das Geschlecht, dass andere meinen bei jemandem zu erkennen (gelesenes Geschlecht), das gefühlte Geschlecht (also fühle ich mich z.B. als Mann, Frau oder nicht-binär), die Genderperformance (also welche Geschlecht ich performe / spiele, z.B. wie ziehe ich mich an… Und hier ist zu beachten, dass auch Männer Männlichkeit performen, aber ebenso mit einer als weiblich betrachteten Performance auftreten können), die Privilegien, die damit einhergehen, die Sozialisation als Junge oder Mädchen usw. All das und mehr sind wichtige Aspekte von Geschlecht. Biologie braucht man nicht, um das zu verstehen. Aus diesem gelesen werden, den damit einhergehenden Zuschreibungen und Privilegien kommt am Ende niemand komplett raus. Andere Dinge wie die Performance können durchaus beeinflusst werden und haben dann auch wieder Auswirkungen auf die Frage wie mensch gelesen wird und was für Privilegierungen und Sanktionierungen in welschen Räumen wirksam werden.

      Zum zweiten Teil deiner Frage: Ich glaube, das ist tatsächlich ein großer Widerspruch, aus dem wir momentan nicht rauskommen. Einerseits würde ich auch gerne „Geschlecht“ überwinden. Und aus dem Text oben geht ja auch hervor, dass viele Männer denken, das Thema hätte sich schon erledigt. Andererseits haben Männer aber nach wie vor krasse Privilegien und Frauen sowie LGBTIQ*-Personen werden nach wie vor diskriminiert. Etwas dem viele Männer blind gegenüber sind. Daher brauchen wir die Auseinandersetzung von Männern mit ihren männlichen Privilegien, obwohl wir das Konstrukt „Männlichkeit“ eigentlich gerne überwinden wollen. Indem wir so tun, als gäbe es das Ganze nicht, schaffen wir es auf jeden Fall nicht Diskriminierung zu überwinden. Wie da jetzt genau der Weg raus ist aus diesem Wiederspruch, weiß ich auch nicht. Aber an der Auseinandersetzung von Männern mit Sexismus, Männlichkeit usw. kommen wir nicht vorbei. Ich halte diese Auseinandersetzung für den ersten Schritt. Wenn wir dann gemeinsam daran arbeiten können Ungleichheiten abzubauen (und dafür müssten sich Männer erstmal in großer Zahl dafür einsetzten), können wir es vielleicht irgendwann schaffen die Kategorie Geschlecht weitestgehend hinter uns zu lassen bzw. Geschlecht anders zu leben.

      Ich kenne auch Situationen, in denen es sich nicht unbedingt gut angefühlt hat, als cis Mann in bestimmte Räume nicht hereingelassen zu werden oder in denen ich von Feministin*nen (berechtigt oder unberechtigt) ziemlich rabiat angegangen wurde. Es ist wichtig auf dem Schirm zu behalten, dass diese Situationen extrem selten vorkommen, in denen ich mich wegen meines Geschlechts ungerecht behandelt gefühlt habe. Vielen Frauen und LGBTIQ*-Personen passiert das andauernd, sie wachsen damit auf und müssen damit leben. Würden sich jetzt Männer in großen Zahlen gegen Geschlechterstereotype einsetzten und gegen die Reproduktion von diesen Gesellschaftsstrukturen anarbeiten (z.B. durch queere Genderperformance und konsequenten Einsatz gegen Diskriminierung), dann hätte die Argumentation „reproduzieren die LGBTIQ*-Community damit nicht auch Stereotype“ vielleicht Gehalt. Die meisten Männer kümmern sich aber leider nicht um diese Themen und diese Ungerechtigkeiten stoßen ihnen erst auf, wenn sie selbst einen Nachteil für sich darin erkennen. Nun ist es für Männer, die sich tatsächlich dagegen einsetzten, natürlich in manchen Situationen etwas unglücklich, immer wieder mit „den anderen Männern“ in einen Topf geworfen zu werden. Aber mal davon abgesehen, dass ich glaube, das Thema betrifft alle Männer, denke ich, wenn Männer diesen Grad an Reflektion erreicht haben und wir verstehen was Frauen und LGBTIQ*-Personen erleben, sollte es nicht so schwierig sein diese kleinen Erfahrungen des „ungerecht behandelt Fühlens“ als ausgleichende Gerechtigkeit zu den Akten zu legen. Zumal Männer in den meisten Situationen große Wertschätzung von Feministin*nen erleben, wenn sie sich mit Gender und feministischen Positionen (pro_feministisch) auseinandersetzten.
      Zudem denke ich, dass Empowermenträume für diskriminierte Personen extrem wichtig sind (in Abgrenzung zu Räumen für die Sensibilisierung von privilegierten Personen, welche ich zwar auch für wichtig halte, die aber eben meistens nicht die gleichen Räume sein können). Daher sollten Männer, die sich pro_feministisch positionieren wollen, diese Räume unbedingt akzeptieren. So ist es eher umgekehrt Ausdruck unsere männlichen Privilegien, dass uns diese Situationen nicht in solche Räume gelassen zu werden, so beschäftigen. Diese Schutz- und Empowermenträume sind extrem wichtig für Frauen und vielleicht noch mehr für LGBTIQ*-Personen. Diese Info sollte uns genügen und wir sollten uns selbst nicht für so wichtig nehmen, dass wir da jetzt auch noch rein müssen.

      Ich hoffe das beantwortet etwas deine Fragen?

      1. Hallo Janosch,

        vielen Dank für deinen informativen und engagierten Beitrag und die faire Diskussion.

        Ich weiß, dass es genug andere Themen zu diskutieren gibt, aber mich irritiert es, wenn du vom“weiblichen Penis“ (der Transfrau) schreibst. Das Attribut suggeriert, dass der Penis ein Subjekt mit eigener (geschlechtlicher) Identität ist, die wiederum nur zwei Ausprägungen kennt. Lassen wir den Penis doch einfach Penis sein und beschäftigen wir uns lieber damit, welche Verhaltenserwartungen und welches soziale Prestige die Mitmenschen den Penisträger*innen entgegenbringen und umgekehrt, welche Erwartungen der durchschnittliche Penisträger an sein eigenes Verhalten und das seiner Umwelt hat. Das ist m.E. kompliziert genug.

        Ansonsten „Chapeau“ für die Initiative und den Mut, diese für uns (cis-Männer) unangenehmen Themen (öffentlich) zu erklären und zu diskutieren.

  3. Danke, dass du mir mit diesem Artikel zeigen konntest, dass der Begriff nicht grundsätzlich negativ ist. Das war zunächst mein Eindruck.

    Ich bin ein Cis-Mann – zumindest auf den ersten Blick. Wenn ich ehrlich bin, bin ich gender-fluid, aber lebe es nicht aus.
    Ich würde gerne, aber ich traue mich nicht.

    Das begleitet mich seid meiner Jugend – mal ist es mehr, mal weniger quälend.

    Ich glaube was mich so verletzt hat an dem Cis-men-bashing auf Twitter&co in letzter Zeit ist, dass es sich anfühlt als könnte mich das im real life treffen.

    Wo ich schon arge Probleme habe enge Freundschaften zu Cis-Männern zu pflegen muss ich nun befürchten wegen verstärktem Schubladen Denken auch dort nicht willkommen zu sein, wo ich mich sonst vielleicht hätte vorsichtig an das Thema „Outing“ herantrauen können.

    Andererseits ist es mir nun bewusster, dass es ein Privileg ist, sich entscheiden zu können (sofern es denn die Psyche zulässt), ob man(n) sich outed oder nicht – und natürlich ist es ein Zeichen der Privilegiertheit der Cis-Männer, dass ich Angst hab gewisse Vorteile durch ein „outing“ zu verlieren.

    Mein Traum wäre es, die Kraft zu finden einfach ich zu sein. Mein Traum wäre es, wenn die Cis-Männer die das hier lesen mit daran arbeiten ein Umfeld aufzubauen in dem ich nicht mehr das Gefühl habe etwas spielen zu müssen um ernst genommen zu werden.

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