Herangehensweise an kritische Männlichkeit

Um sich pro-feministisch mit dem Thema kritische Männlichkeit auseinanderzusetzen ist aus meiner Sicht insbesondere wichtig:
  • Sich klar zu machen, dass (sexistische) Diskriminierung ein System ist, dem wir uns nicht entziehen können
  • Sexistisch zu sein bedeutet also nicht (zwangsläufig) böse Absichten zu haben
  • Dieses System bringt Männer in eine Machtposition. Erforderlich ist daher ein Reflektieren von männlichen Privilegien um dieses System sichtbar zu machen
  • Es geht dabei erstmal nicht um Schuld sondern gesellschaftliche Machtstrukturen zu akzeptieren
Was ist eigentlich Diskriminierung?

In den aktuellen Debatten ist die Frage „Was ist denn daran jetzt schon wieder sexistisch?“ relativ häufig zu hören. Genauso wie die Aussagen „Das war doch nicht so gemeint“ oder „Männer werden ja auch Diskriminiert“.

(Sexistische) Diskriminierung funktioniert als System und erfordert:
  1. Eine abgrenzbare Gruppe von Personen (Frauen*)
  2. Welche durch Zuschreibungen und Stereotype herabgewürdigt wird („können nicht einparken“, dies kann aber auch auf den ersten Blick positiv konnotiert sein wie „können besser kochen“)
  3. Was innerhalb eines Machtsystems von Benachteiligungen und Privilegierungen passiert (Männer verdienen im Durchschnitt mehr und in Politik und Führungspositionen finden wir überwiegend Männer)
Wichtig: Akzeptiere dass Sexismus ein System und keine Meinung ist!

Insbesondere ist wichtig zu verstehen, dass ich als Individuum nicht alle Aspekte erfüllen muss und es nicht darauf ankommt, ob ich jemanden diskriminieren will oder nicht. Wenn ich meine privilegierte Position unreflektiert nutze oder Stereotype über Frauen* reproduziere, ist mein Verhalte sexistisch geprägt (= Sexismus = systemische Diskriminierung).

Also an alle Männer, die niemanden sexistisch diskriminieren wollen: Diese Tatsache müssen wir akzeptieren. Wir wachsen in einem sexistischen System auf, lernen es nicht anders als uns sexistisch (geprägt) zu verhalten. Unsere Privilegien können wir auch nicht ohne weiteres ablegen.

Es geht erstmal nicht um Schuld!

Es geht hier nicht um Schuld. Schuldig machen wir uns, wenn wir uns auf dieser Machtposition ausruhen und uns nicht damit auseinander setzten, obwohl wir die Möglichkeit haben. Schuldig machen wir uns, wenn wir durch das unreflektierte reproduzieren von Stereotypen das System stabilisieren und unsere Privilegien nur für uns selbst einsetzten. Momentan überlassen Männer diese Auseinandersetzung vor allem Feministin*nen und Antifeministen.

Der Abbau von Privilegien kann sich wie Diskriminierung anfühlen. Ist es aber nicht!

Die Anerkennung dieses Machtsystems und den damit verbunden Privilegien ist essentiell, um sich pro-feministisch mit Männlichkeit und Geschlecht auseinanderzusetzen. Das ist natürlich leicht daher gesagt, da wir Männer unsere Privilegien für selbstverständlich halten und diese in vielen Fällen gar nicht bemerken. Daher kann sich der Abbau von Privilegien als Diskriminierung anfühlen. Männer können wegen ihrer Männlichkeit schlecht behandelt, beleidigt oder auch mal situativ benachteiligt werden. Männer können aber nicht wegen ihrer Männlichkeit systemisch diskriminiert werden. Sie können natürlich homophob, rassistisch, klassizistisch oder sonst wie diskriminiert werden.

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Wichtig: Akzeptiere Deine Privilegien und Machtposition als Mann!

Nur wenn wir diese Machtposition als privilegierter Mann akzeptieren, können wir uns pro-feministisch damit auseinandersetzten, diese Zusammenhänge erst einmal verstehen und dann an diesem Verhalten arbeiten. Und diese Auseinandersetzung bietet viel für Männer. Denn auch wir leiden an krankhaften Männlichkeitsanforderungen und toxischer Männlichkeit. Zumal wollen viele Männer nicht (sexistisch) diskriminieren. Das Akzeptieren dieser Privilegien ist einerseits ein sehr unangenehmer und langwieriger Prozess. Andererseits konnte ich durch diese systemische Perspektive erstmal etwas entspannen, von der individuellen Schuld wegkommen und zuhören. Das wiederum hat mich in die Position gebracht mehr zu verstehen.

Wichtig: Erstmal zuhören und nicht gleich Feministin*nen Eure Meinung aufdrücken (die haben sie vermutlich schon gehört)!

Ein Privileg als Mann ist es zum Beispiel, dass wir es gewohnt sind, dass uns zugehört wird und dass Männer die Deutungsmacht in unserer Gesellschaft haben (etwas, was sich vermutlich gerade ändert und auch daher so viel widerstand hervorruft). Diese Deutungsmacht müssen wir aufgeben, was vielen Männern nicht leicht fällt.

Den Perspektivwechsel wagen!

Feminismus, Gender und Queer Studies bieten uns wunderbare Perspektivwechsel auf Männlichkeit. Das ist ein wenig so, als würde ich die großartige Möglichkeit haben, ein anderes Land kennen zu lernen. Wenn ich dann zurück nach Hause komme, betrachte ich auch das Land in dem ich lebe mit neuen Erkenntnissen.

Es gibt nicht den Feminismus, aber es gibt feministische Positionen, die sehr interessant sind für Männer

Nun gibt es natürlich nicht den einen Feminismus, sondern ganz unterschiedliche feministische Positionen und auch Konflikte unter Feminist*innen. Auf diesem Blog geht es darum sich mit feministischen Positionen auseinanderzusetzen und der Frage nachzugehen: Was bedeutet das denn nun für Männer und Männlichkeit(en)?

Hier unerwünscht: Kritik am Feminismus!!!

Es geht also insbesondere nicht darum Feminismus zu kritisieren. Diese Aufgabe sollten wir erst mal Frauen* überlassen. Schließlich schreiben Männer Frauen* schon zu lange vor wie sie sich zu verhalten haben und was sie denken sollen. Einen für Männer freundlichen Feminismus kann es nicht geben, da es um die Kritik an Macht von Männern geht. Anti-feministische Homepages von Männern gibt es zudem schon ausreichend im Internet. Wenn Du das jetzt gar nicht akzeptieren kannst, bestätigst Du übrigens genau einen zentralen Punkt:

Nicht sofort um die Deutungsmacht kämpfen! Erstmal zuhören, beobachten, wirken lassen!

Mal so als kleines Beispiel aus unserem patriarchal geprägten Wortschatz: Das Wort „Familie“ kommt aus dem Latein vom Wort famulus = „Diener“ und familia = „Gesamtheit der Dienerschaft“. Nachdem wir also tausende von Jahren ein patriarchales System haben, ist es nicht damit getan sich zwei Vorträge über Feminismus anzuhören und zu denken, wir sind jetzt ein ernsthaftes Stück weiter gekommen. Diskriminierungsabbau ist ein Prozess, der bei einem selbst anfängt. Und der wird lange dauern. Also erst mal etwas zurück treten, zuhören, die Deutungsmacht abgeben und uns mit feministische Position auseinandersetzen. Einfach nur die Annerkennung dieser Zusammenhänge würde der Debatte schon sehr gut tun. Schließlich ist es immer leichter über andere zu reden, als uns mit unserer männlichen Position auseinanderzusetzen.

Was können Männer tun? Zuhören!

Also hört gut zu, wenn eine Frau* ihre Diskriminierungserfahrungen mit Euch teilt. Seid dankbar dafür und zweifelt diese nicht an. Beschäftigt Euch mit diesen Themen. Lest ein Buch. Lasst es erstmal sacken, bevor Ihr gleich Eure Meinung (insbesondere Frauen* gegenüber) zum Feminismus kundtun müsst! 

Was können Männer tun? Privilegien hinterfragen!

Männer müssen sich mit ihren Privilegien und ihrer Machtposition aktiv auseinandersetzen, um diese überhaupt zu bemerken. Auch das ist übrigens ein Privileg. Männer können sich mit Sexismus auseinandersetzten. Frauen* müssen sich andauernd mit sexistischen Verhalten von Männern beschäftigen.

Was können Männer tun? Klärt andere Männer auf! Entschuldigt dummes Verhalten nicht!

Daher halte ich es für einen wichtigen Beitrag von Männer um Feministin*nen zu unterstützen, andere Männer diesbezüglich aufzuklären. Macht Männer Verantwortlich für ihre Handlungen. Damit setzten wir z.B. auch gleich unser Privileg Gehör zu bekommen richtig ein (noch besser ist es natürlich Frauen* Gehör zu verschaffen). Letztlich brauchen wir aber auch Räume in denen Männer über die Konsequenzen dieser gesellschaftlichen Debatte diskutieren und (auch dumme) Fragen stellen können. Dieser Blog soll so ein Raum sein.

Noch drei kleine Empfehlungen:

In diesen Texten:

Also nur Mut! Und nicht vergessen, wir reden hier über einen gesellschaftlichen und individuelle Prozess. Um an dem Thema dran zu bleiben, empfehle ich die Bestellung des…

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