Glossar

Hier findest Du Erklärungen und Definitionen zu Wörtern, die im Diskurs um kritische Männlichkeit und Feminismus verwendet werden

Einige dieser Begriffsdefinitionen sind mir ausgesprochen schwierig gefallen, da ich mich nicht zu kompliziert ausdrücken möchte. Schließlich will dieser Blog möglichst vielen Menschen einen Zugang zum Thema bieten. Sollte irgendeine Formulierung so aus Eurer Sicht gar nicht gehen freue ich mich sehr über Gegenvorschläge, Links oder Ergänzungen.


Hier findest Du die Übersicht zum Glossar mit Erklärungen und Definitionen zu Wörtern, die im Diskurs um kritische Männlichkeit und Feminismus verwendet werden


Glossar

Binäres Geschlechtssystem

Das binäre Geschlechtssystem geht davon aus, dass es nur zwei Geschlechter gibt, also männlich und weiblich und sich alle Menschen in diesem einordnen. Intersexuelle oder nicht-binäre Geschlechteridentitäten finden dort keinen Platz. Genau sowenig wie Menschen mit einer pansexuellen Orientierung. Innerhalb des binäre Geschlechtssystem kann z.B. ein Mann entweder heterosexuell (steht auf Frauen), homosexuell (steht auf Männer) oder bisexuell (steht auf Männer und Frauen) sein.


cis-Frau

Eine cis-Frau ist eine mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen (also z.B. Vulva und Klitoris) geborene Person, die sich selbst als Frau bezeichnet. Das ganze fällt in die Kategorie der Geschlechtsidentität und hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.

Viele (cis-)Menschen scheinen sich zu fragen, weshalb ein derartiger Term überhaupt notwendig sei. Es ist wichtig, dem was wir als „normal“ betrachten einen Begriff zu geben, um es begreifbar zu machen. Andernfalls können wir nur die „Abweichungen“ benennen. Als das Wort „heterosexuell“ aufkam, wurde übrigens auch argumentiert, dass ein derartiger Begriff nicht notwendig sei.


cis-Mann

Ein cis-Mann ist eine mit männlichen Geschlechtsmerkmalen (also z.B. Penis und Hoden) geborene Person, die sich selbst als Mann bezeichnet. Das ganze fällt in die Kategorie der Geschlechtsidentität und hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.

Viele (cis-)Menschen scheinen sich zu fragen, weshalb ein derartiger Term überhaupt notwendig sei. Es ist wichtig, dem was wir als „normal“ betrachten einen Begriff zu geben, um es begreifbar zu machen. Andernfalls können wir nur die „Abweichungen“ benennen. Als das Wort „heterosexuell“ aufkam, wurde übrigens auch argumentiert, dass ein derartiger Begriff nicht notwendig sei.


Diskriminierung

Nach der Definition, die ich hier verwenden werde, ist (systemische) Diskriminierung die gesellschaftliche Herabwürdigung und systemische Benachteiligung einer Gruppe von Personen aufgrund bestimmter Merkmale (wie Geschlecht, sexuelle Orientierung oder von People of Color (POC)).

Dabei ist insbesondere wichtig, dass diese Gruppe: 

  1. klar abgrenzbar ist (wie z.B. Frauen, Homosexuelle oder POC)
  2. herabgewürdigt wird (z.B. durch die Verwendung von Begriffen wie Schlampe, Schwul oder des N-Wortes als Schimpfwort) und
  3. in einer Gesellschaftlich benachteiligten Position ist (wie z.B. geringeres Gehalt, konstante Gewaltandrohung im öffentlichen Raum, geringe Partizipation an der politischen Willensbildung).

Dabei ist erstens wichtig, dass alle drei Aspekte gesellschaftlich vorhanden sind. So können z.B. Bayern in Deutschland nicht diskriminiert werden, selbst wenn sie eine klar abgrenzbare Gruppe sind und von manchen Menschen herabgewürdigt werden. Das sind erstmal nur Stereotype, die es auch gegenüber Männern gibt. Weder Bayern noch Männer sind aber in Deutschland ökonomisch, politisch oder sonst wie systemisch benachteiligt.

Zweitens ist wichtig, dass nicht alle Aspekte durch die diskriminierende Person individuell erfüllt werden müssen. So kann ich Frauen grundsätzlich gut behandeln und den Eindruck haben, dass ich persönlich nicht für ihre systemische Benachteiligung verantwortlich bin. Wenn ich Stereotype reproduziere (können besser kochen oder mit Kindern umgehen), befinde ich mich innerhalb dieses diskriminierenden Systems. Damit reduziere ich sie zur „natürlichen Hausfrau“ und das ist Diskriminierung.

Es ist also drittens wichtig zu verstehen, dass ich auch Menschen diskriminieren kann, selbst wenn ich das gar nicht will.


Feminismus

Feminismus setzte sich für die Gleichstellung aller Menschen egal welchen Geschlechts und welcher Orientierung ein. Beim Feminismus geht es insbesondere nicht um die Benachteiligung von Männern. Ein Zitat von 1986 welches Marie Shear zugeschrieben wird drückt es wie folgt aus: „Feminismus ist die radikale Idee, dass Frauen Menschen sind.“ (“Feminism is the radical notion that women are people.”)


Genderqueer

Eine genderqueer Geschlechtsidentität bezeichnet ein Geschlecht, welches weder ganz / immer weiblich, noch ganz / immer männlich ist.  Nicht-binär und (z.T. auch der Begriff Transgender) bedeuten das gleiche. Dies ist also eine Geschlechtsidentität, die nicht ins binäre System passt.


Geschlecht / Gender / Sex

Im Englischen wird unterschieden zwischen „gender“ und „sex“. Kurz gesagt beschreibt „sex“ das biologisch Geschlecht, also ganz platt formuliert Penis / Eichel vs. Vulva / Klitoris. „Gender“ beschreibt das anerzogene Geschlecht.

Im deutschen muss ich mich da leider meistens etwas umständlicher ausdrücken. Ich versuche es mal anhand eines Beispiels. Eine Person wird mit einem Penis und Hoden geboren. Die Ärztin würde der Mutter also mitteilen, sie hätte einen Sohn bekommen. Das Geschlecht („sex“) scheint also erst mal eindeutig männlich.

Die Eltern sind überrascht, denn aufgrund von Ultraschalluntersuchungen sind sie davon ausgegangen, das Kind wird ein Mädchen. Sie schmeißen also schnell die ganzen rosa Klamotten weg und streichen das Kinderzimmer blau. Das ist also der Teil, mit dem es beginnt, dass ein Geschlecht anerzogen wird („gender“). Einem Baby ist es nämlich verständlicherweise scheiß egal, welche Farbe das Kinderzimmer oder die Klamotten haben. Ich kann Euch aber sagen, dass viele Menschen sehr irritiert sind, über männliche Babys, die in rosa Strampler gesteckt werden. Und ich kann Euch sagen, dass wenn dieses Kind es mag im Kleid in die Schule zu gehen, es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gemobbt wird.


Geschlechtsidentität / Identität

Die Geschlechtsidentität beschreibt mit welchem Geschlecht sich eine Person selbst identifiziert. Also z.B. als Mann, Frau, Intersexuell oder nicht-binär. Die sexuelle Identität bezieht sich auf einen selbst während die sexuelle Orientierung Verlangen nach anderen, sich also auf andere Personen bezieht.


Heteronormativität

Heteronormativität geht von einem binären Geschlechtersystem und Heterosexualität als Norm aus. Heteronormatives Verhalten beschreibt zum Beispiel Männer die Fußball gucken und Autos mögen während Frauen Make-up benutzen, kochen und gerne shoppen. Es wird also einerseits davon ausgegangen, dass bestimmte Verhaltensweisen speziell männlich oder weiblich sind und sich im Umkehrschluss Männer und Frauen (natürlicherweise) so verhalten. Diese Normen sind andererseits relevant für Verhalten von Menschen, da sie sich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten müssen, um „echte“ Männer oder Frauen zu sein.


Inhaltswarnung / Triggerwarung / Contentwarnung

Eine Triggerwarung oder Contentwarnung (Inhaltswarnung) bezeichnet eine Warnung auf mögliche Auslösereize. Beispielsweise können Menschen, die (sexualisierte) Gewalt erlebt haben durch die Darstellung oder Beschreibung von (sexualisierte) Gewalt wieder traumatisiert werden. Daher sind Warnungen am Anfang derartiger Beiträge gegebenenfalls hilfreich für diese Menschen, um sich nicht (oder nur bei richtige Verfassung) mit diesen Beiträgen auseinanderzusetzen.

Ich werde versuchen mich auf diesem Blog an die Vorschläge aus der Facebookgruppe Kritische Männlichkeit zu halten. Dort wurde argumentiert, dass es eigentlich nicht möglich ist, vor Triggern zu warnen, sondern lediglich vor Inhalten (content). Dabei wurden insbesondere diese Themen diskutiert, bei denen eine derartige Warnung erwünscht ist:

  • Vergewaltigung
  • Missbrauch
  • sexueller Missbrauch
  • Gewaltdarstellung
  • Suizid
  • Häusliche Gewalt
  • Body-Shaming
  • Misogynie
  • Homophobie
  • Rassismus
  • Transphobie
  • Anti-Seminismus
  • Penisgrößen-Shaming
  • selbstverletzendes Verhalten
  • Diskriminierung aufgrund der Sexualität (Homo, Bi, Pan, …)
  • Islamfeindlichkeit
  • Inter-Feindlichkeit
  • Sexismus
  • Ableismus
  • Antiziganismus

Intersektionalität / Intersektion

Intersektionalität (oder Intersektion) beschriebt die Überschneidung mehre Diskriminierungsformen in einer Person. Dies betrifft also eine Person, die von mehr als einer Diskriminierungsfrom wie Rassismus, Sexismus, Be_hindertenfeindlichkeit, Klassismus, Gewichtsdiskriminierung, Antisemitismus, Antiziganismus, Transphobie, Homophobie, Islamophobie, Lookismus und so weiter betroffen ist. Intersektionalität (oder Intersektion) ist sehr wichtig um Diskriminierung zu verstehen. Wie immer wieder betont wird, kann dies nicht als ein aufsummieren verstanden werden, sondern ist wesentlich komplexer, verschachtelter und verstärkt sich meistens gegenseitig.


Intersexuell

Intersexuelle Körper weisen Merkmale vom weiblichen und vom männlichen Geschlecht auf. Es handelt sich also um Menschen, deren geschlechtliches Erscheinungsbild von Geburt an, hinsichtlich der Chromosomen, der Keimdrüsen, der Hormonproduktion und der Körperform nicht nur männlich oder nur weiblich ausgeprägt ist, sondern scheinbar eine Mischung darstellt.

(Fast wörtlich übernommen von der Beschreibung des Intersexuelle Menschen e.V.)


FLINT / LGBTIQA / * usw.

FLINT* und LGBTIQA* – Diese Buchstabenkombinationen stehen für:

  • F: Frauen (gegebenenfalls heterosexuelle cis-Frauen)
  • L: Lesben, also homosexuelle Frauen
  • I: Intersexuelle
  • N: Nicht-Binäre Geschlechtsidentitäten
  • T: Trans-Personen (Transsexuelle und/oder Transgender)
  • Q: Queers oder Genderqueere Personen
  • B: Bisexuelle Personen (also Personen die auf „beide“ Geschlechter stehen)
  • G: Gay, also homosexuelle Männer
  • A: Asexuelle Personen (also Personen ohne Sexuelles Verlangen gegenüber anderen Personen)
  • * Nicht explizit erwähnte Personengruppen, die sich nicht in eine der oben genanten sexuellen Orientierungen oder Geschlechtsidentitäten einordnen wollen, aber dennoch (mit) gemeint sind.

Insbesondere nicht dabei sind heterosexuelle cis-Männer. Da es ungeschickt ist, diese Personen Gruppen als „nicht-(cishet-)Männer“ (cishet = cis und heterosexuell) zu bezeichnen (negative Bezeichnung durch das „nicht“ – in etwa so: Männer würden sich meist auch eher ungern als „nicht-Frauenbezeichnen lassen), verwenden viele Menschen diese Buchstabenkombinationen um alle Menschen mit einzuschließen, die gemeint sind. Manchmal wird (was kritisiert werden kann, hier aber auch teilweise geschieht) auch einfach Frauen benutzt um z.B. FLINT oder auch FLGBTIQA* zu meinen.

Wichtig ist auch der Unterschied zwischen der sexueller Orientierung (LGBA) und der Geschlechtsidentität (FINTQ). Diese haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Als cis-Mann kann ich wohl ehr nicht lesbisch sein. Aber als Frau im Körper eines Mannes, die auf Frauen steht eventuell schon (diese Personen bezeichnen sich unter Umständen als Guydyke).

Problematisch werden viele dieser Bezeichnungen zur Orientierung, wenn meine Geschlechtsidentität außerhalb des binären Systems liegt. Beizeichnungen wie heterosexuel („steht aufs andere Geschlecht“) oder homosexuell („steht aufs andere Geschlecht“), machen nur Sinn, wenn ich Geschlecht als entweder Männlich oder Weiblich betrachte. Z.B. habe ich kürzlich einen Post von einer Person gelesen, die sich als gynophil (Orientierung: „steht auf Weiblichkeit“) und bigender Enby (Identität: sie*er hat zwei Geschlechtsidentitäten oder ist nicht-Binär) bezeichnet.

Meine Liste hier erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weitere Identitäten und Orientierungen findet Ihr z.B. im Glossar vom Queer Lexikon.


Männlichkeit

Männlichkeit sollte nicht mit alle Männer verwechselt werden.  Männlichkeit beschreibt weder die Summe dessen was alle Männer sind, noch tatsächliche Männer. Männlichkeit ist eine (stereotype) Idee von dem was Männer sind.

Männlichkeitsanforderungen leiten sich von diesen (stereotypen) Männlichkeitsbildern ab. Beides ist nicht leicht zu beschreiben, da sie sich je nach kultureller Zugehörigkeit, sozialem Umfeld, Zeit und Ort verändern. Männlichkeitsanforderungen sind die Gesamtheit der Aussagen „wie Männer nun mal so sind“ bzw. „sein müssen“. Es handelt sich um (kulturelle) Anforderungen, mit denen sich alle auseinandersetzten müssen, die von sich und/oder anderen als Männer betrachtet werden. Es geht um Anforderungen um als „richtiger“ Mann akzeptiert zu werden.

Beispiele von Männlichkeitsanforderungen sind:

  1. Andauernd stark, cool und souverän zu sein
  2. Führungsanspruch und Dominanz zu zeigen
  3. Mut und Risikobereitschaft zu demonstrieren

Männerrechtsbewegung

Die Männerrechtsbewegung (englischmen’s rights movement) ist gezielt frauenfeindlich und anti-feministisch. Wie Ihr unter Feminismus nachlesen könnt, setzte sich Feminismus für die Gleichbehandlung aller Menschen egal welchen Geschlechts und welcher Orientierung ein. Daher ist die Männerrechtsbewegung gegen die allgemeinen Menschenrechte und gegen die Gleichbehandlung aller Menschen. Die Männerrechtsbewegung ist etwas anderes, als die Männerbewegung, die sich mit Themen aus der Lebenswelt von Männern befasst und daher nicht zwangsläufig frauenfeindlich und anti-feministisch ist.

Die Männerrechtsbewegung (englischmen’s rights movement) ist gezielt frauenfeindlich und anti-feministisch. Maskulinisten oder Maskulisten sind ähnlich verwendete Bezeichnung. Ein großer Teil der Männerrechtler sind vor allem im Internet oder losen Gruppen organisiert (wie z.B. Incels (Unfreiwillige Enthaltsame / involuntary celibacy), die MGTOW-Bewegung (Männer gehen ihren eigenen Weg / Men Going Their Own Way) und Pick-Up-Artists). Diese bilden zusammen mit (teilweise sehr gut finanzierten) religiösen und rechten Gruppierungen eine starke anti-feministische Bewegung.

Siehe auch:

Wie Ihr unter Feminismus nachlesen könnt, setzte sich Feminismus für die Gleichbehandlung aller Menschen egal welchen Geschlechts und welcher Orientierung ein. Daher ist die Männerrechtsbewegung gegen die allgemeinen Menschenrechte und gegen die Gleichstellung aller Menschen.

Die Männerrechtsbewegung ist etwas anderes, als die Männerbewegung, die sich mit Themen aus der Lebenswelt von Männern befasst und daher nicht zwangsläufig frauenfeindlich und anti-feministisch ist.


Maskulismus

Maskulismus ist nach Andreas Kemper (kurze Audiodatei hier) eine Selbstbezeichnung von (antifeministischen) Männerrechtlern. Ursprünglich wurde der Begriff Maskulinismus verwendet und bezeichnete Positionen, die für die Vorherrschaft des Mannes sind (beispielsweise aufgrund einer angeblichen biologischen Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau). Maskulismus wird von Kamper als „Opferideologie“ bezeichnet, die Männer als wahre heutige Opfer betrachtet (beispielsweise durch Feministin*nen und Gleichstellungspolitik), aber angeblich keine Vorherrschaft des Mannes anstrebt. Maskulisten (und auch Maskulinisten) sind Teil der antifeministischen Männerrechtsbewegung. Die Bewegung ist nur bedingt in Vereinen organisiert, dafür aber umso besser im Internet vernetzt.

Siehe auch Männerrechtsbewegung.


Nicht-binär

Eine nicht-binär Geschlechtsidentität bezeichnet ein Geschlecht, welches weder ganz / immer weiblich, noch ganz / immer männlich ist.  Genderqueer und (z.T. auch der Begriff Transgender) bedeuten das gleiche. Dies ist also eine Geschlechtsidentität, die nicht ins binäre System passt.


Orientierung / sexuelle Orientierung

Sexuelle Orientierung beschreibt das Interesse einer Person, welchen Geschlechtes gegenüber diese romantisches, sexuelles, partnerschaftliches, emotionales Begehren oder sonstige Zuneigung fühlt. Zum Beispiel Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität und Pansexualität.  Die sexuelle Orientierung bezieht sich auf Verlangen nach anderen, also auf andere Personen, während sich die sexuelle Identität / Geschlechteridentität auf einen selbst bezieht.


Pansexuell

Eine pansexuell Orientierung beschreibt das romantische, sexuelle, partnerschaftliche, emotionale Begehren einer Person, welches unabhängig vom Geschlecht ist. Also während eine bisexuelle Person nur auf Männer und Frauen steht, steht eine pansexuelle Person auf alle Menschen unabhängig vom Geschlecht. Pansexualität beschreibt also eine sexuelle Orientierung, die außerhalb des binären System steht.


People of Color / Person of Color / POC

POC (singular Person of Color, plural People of Color) bezeichnet eine Person, deren „Hautfarbe“ von der Gesellschaft als nicht-Weiß definiert wird. Dies ist der politisch korrekte Begriff und eine Selbstbezeichnung.


Privilegien

Privilegien stehen immer im Gegensatz zu Benachteiligung und Diskriminierung. So verdienen Frauen auf der einen Seite bei gleicher Qualifikation weniger als Männer, was eine Diskriminierung von Frauen ist. Umgekehrt verdienen Männer mehr als Frauen, was ein männliches Privileg ist. Männer sind damit privilegiert (= Privilegierungen).


Sexismus

Sexismus bezeichnet die Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes und der Orientierung. Ich verwende den Begriff als Sammelbegriff, unter dem neben der Diskriminierung von Frauen auch die Diskriminierung von intersexuellen Menschen, Transsexuellen sowie homosexuellen und bisexuellen Menschen fällt.

Heterosexuelle cis-Männer können nicht sexistisch diskriminiert werden, da die gesellschaftliche Machtstruktur dies nicht zulässt. Männer können natürlich in bestimmten Situationen benachteiligt oder schlecht behandelt werden. Dies ist aber keine Diskriminierung, denn diese ist immer systematisch (siehe hierzu meine Definition von Diskriminierung). Alle Menschen können hingegen andere Menschen sexistisch diskriminieren. So kommt es zum Beispiel vor, dass heterosexuelle cis-Frauen Personen diskriminieren, die Transsexuell oder homosexuell sind.


Slut-Shaming

Slut-shaming dreht sich darum, dass Frauen, welche die gängige Sexualmoral überschreiten, zu viele Sexpartner haben, sich zu knappe Klamotten anziehhen (usw.) als „Schlampen“ betitelt oder anders abgestraft werden. Kurz gesagt, während Männer, die sich mit vielen Frauen vergnügen, die geilen Macker sind, werden Frauen für die gleichen Aktivitäten als „Schlampen“ beschimpft. Slut-shaming kommt also gegenüber heterosexuellen (cis-)Männern quasi nicht vor.


Toxische Männlichkeit

Toxische Männlichkeit beschreibt (stereotype) Normen, die Männer dazu veranlassen sich selbst und anderen zu schaden (siehe auch Männlichkeit). Gegebenenfalls werden auch diese toxischen Verhaltensweisen selbst als toxische Männlichkeit bezeichnet. 

Beispiele toxischer Verhaltensweisen sind:

  1. Keine Schwäche zeigen, nicht zu weinen, Gefühle nicht zuzulassen
  2. Gewalt gegen Frauen* und Männer
  3. Selbstgefährdung und Selbstverletzung

Transgender / Trans*gender

Eine transgender / trans*gender Geschlechtsidentität bezeichnet ein Geschlecht, welches nicht mehr das gleiche ist, wie das Geschlecht, das zu Beginn des Lebens zugewiesen wurde. Es wird z.T. als Überbegriff für (binäre) trans Frauen und trans Männern und nicht-binär / Genderqueer (also weder ganz / immer weibliche, noch ganz / immer männliche) Geschlechtsidentität einschließt.


Transsexualität

Transsexualität bezeichnet die Geschlechtsidentität einer Personen, der bei der Geburt ein anderes Geschlecht zugweisen wurden, als sich die Person selbst zuordnet. Siehe trans Frau und trans Mann.


trans Frau / Transfrau

Eine Person, die mit als „männlich“ zugeordneten Geschlechtsmerkmalen geboren (und als „männlich“ in ihre Geburtsurkunde eingetragen) wurde, die sich aber als Frau identifiziert. Eine trans Frau ist (wie eine cis-Frau) eine Frau.


trans Mann / Transmann

trans Mann / Transmann: Eine Person, die mit als „weiblich“ zugeordneten Geschlechtsmerkmalen geboren (und als „weiblich“ in die Geburtsurkunde eingetragen) wurde, die sich aber als Mann identifiziert. Ein trans Mann ist (wie ein cis-Mann) ein Mann.


Verbündetenschaft / Allyship

Verbündetenschaft (Englisch: Allyship) bezeichnet ein von People of Color entwickelten Ansatz, der sich damit beschäftigt wie sich Menschen für diskriminierte Gruppen, zu denen sie nicht gehören, einsetzen können. Bei dem Ansatz geht es insbesondere darum eigene Privilegien zu verstehen, zuzuhören was diese Gruppen zu sagen haben, sich für marginalisierte Personen einsetzen und nicht über sie zu reden. Empfehlungen an privilegierte Personen umfassen:

DO’S – Wie verhalte ich mich als guter Verbündeter?

  • Sei offen und höre zu, lese und informiere Dich
  • Sprache „der Community“ übernehmen
  • Sei Dir Deiner eigenen Sexismen und Rassismen bewusst! Du stehst nicht außerhalb des Systems
  • Keine blöden Fragen stellen! Fehler passieren, entschuldige Dich und lerne daraus

DON’TS – Welches Verhalten sollten Verbündete vermeiden?

  • Nicht erwarten, dass einem von marginalisierten Personen etwas beigebracht wird
  • Nicht Personen unterstützen, die gar keine Unterstützung wollen
  • Nicht so verhalten als ob Du Dich am besten zu dem Thema auskennst
  • Keinen Dank von marginalisierten Personen erwarten
  • Nicht annehmen, dass sich eine marginalisierte Person unterdrückt fühlt

Das Konzept ist aus meiner Sicht hilfreich insbesondere für Anfänger. Es wird zwar meistens auf den Rassismuskontext bezogen, kann aber relativ einfach auf andere Formen der Diskriminierung angewandt werden. Wichtig ist, dass es nicht darum geht ein Verbündeter zu sein, sondern sich in den entscheidenden Momenten wie ein Verbündeter zu verhalten!

Quelle und weitere Informationen: Guide to Allyship (Englisch)


Hier findest Du die Übersicht zum Glossar